Predigten und Gottesdienste aus dem Dekanat Rothenburg

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Quasimodogeniti mit Pfarrerin Schlottke (Rothenburg St. Jakob und Detwang)
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19.04.2020 - Andacht von Pfarrerin Claudie Schlottke (Rothenburg St. Jakob und Detwang)

Jesaja 40

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«?

28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

29 Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.

30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen;

31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

 

Eigentlich wollten wir heute Konfirmation feiern in einigen Gemeinden im Dekanat.

Aber die Konfirmationen sind ja erst mal verschoben, bis wir wieder miteinander große Gottesdienste mit Abendmahl feiern dürfen. Ich denke an die Jugendlichen, die in diesem Frühjahr Ja zu einem Leben mit Gott sagen wollten und nun vorerst verzichten müssen auf ihr Fest. Es soll nachgeholt werden, sobald es möglich ist.

 

Können Sie sich noch an Ihre Konfirmation erinnern?

 

Bei mir ist es mehr als 40 Jahre her.

Und viel weiß ich nicht mehr von dem Gottesdienst. Ein schwarzer Rock, eine weiße Bluse, neue Schuhe. Etliche Verwandte waren angereist, um mit mir zu feiern.

Was der Pfarrer gepredigt hat? Ich kann mich nicht erinnern.

Aber ich weiß, dass ich mich sehr ernsthaft mit meinem Ja zum Glauben beschäftigt habe.

Dass ich ganz bewusst die Konfirmationsfrage mit Ja beantwortet habe:

Wollt Ihr unter Jesus Christus, Eurem Herrn, leben, im Glauben an ihn wachsen und als evange-lische Christinnen und Christen in seiner Gemeinde bleiben?

Ganz leicht konnte ich mich bekennen im Kreise meiner Mitkonfirmandinnen.

 

Und dann wurde ich älter und mein Glauben ging durch Höhen und Tiefen.

Viele von uns machen im Laufe des Lebens Erfahrungen mit Depressionen.

Wir erleben die Niederlagen des Alltags:

Anstrengungen ohne Anerkennung, quälendes Warten auf Entscheidungen, die wir nicht beeinflussen können, Sorgen um Partner, Kinder oder Eltern, frustrierende Begegnungen mit Menschen der Kirche.

Oder der Alltag fordert mich so, dass ich den Kontakt verliere.

Da kann man schon müde werden.

 

Gott, siehst du mich? Kennst du mich noch? Bin ich dir wichtig? Weißt du, wie es mir geht?

Siehst du uns jetzt während der Pandemie und merkst, wie uns die Einschränkungen belasten?

 

Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft…

Wie ist es Ihnen mit Ihrem Glauben und Leben ergangen?

 

Es gibt die, die voller Vertrauen durchs Leben gehen können und sich jeden Tag neu beschenken lassen.

Und es gibt die, die wie ich auch mal hadern und zweifeln und müde werden.

Denen Angst zusetzt und die an ihre Grenzen kommen.

 

Wer Konfirmation feiert, erinnert sich an die eigene Taufe und spricht ein Ja zu Gottes Angebot, das über unserem Leben steht: uns zu begleiten auf allen unseren Wegen.

In diesem Sinne können wir jeden Tag neu Konfirmation feiern.

Auch müde und kraftlos.

Und uns beschenken lassen mit dem Zuspruch Gottes:

Du  bist wertvoll in meinen Augen.

Ich verlasse dich nicht.

Ich gehe deine Wege mit, auch die Umwege, und bin dir nahe auch heute.

 

Jesaja 40 in Leichter Sprache übersetzt:

„Schaut in den Himmel! Seht ihr die Sterne? Wer hat die gemacht? Von all diesen Sternen kennt Gott die Namen. Gott ist mächtig und überall: Es sind immer alle Sterne da. Auf jeden einzelnen Stern passt Gott auf.

Ihr Kinder von Gott: Warum zweifelt ihr? Warum fragt ihr: Bin ich Gott wichtig? Weiß Gott, mir geht es gut?! oder: Mir geht es schlecht?! Wisst ihr es denn nicht? Gott hat die ganze Erde gemacht. Einfach alles. Und trotzdem ist er immer noch wach und kräftig! Gott versteht und weiß viel mehr als wir. Müde Menschen bekommen von ihm Kraft. Kraftlose Menschen macht er stark.

Wir werden alle müde und kraftlos. Das geht auch jungen Menschen so. Auch die können stolpern und hinfallen.

Wenn du hinfällst, kannst du auf Hilfe von Gott hoffen. Gott hilft dir beim Aufstehen. Dann wird es ganz leicht. Als hättest du Flügel und könntest fliegen. Danach kannst du laufen ohne Pause. Und gehen ohne Müdigkeit.

 

Was halten Sie davon, heute, eine Woche nach Ostern, für sich (wieder) Konfirmation zu feiern?

 

Dann lassen Sie uns beten:

Ja, Herr Jesus, ich will mit dir leben. Ich lege dir mein Leben hin mit aller Freude und mit allem, was mir auf der Seele liegt an Zweifeln, Traurigkeit, Angst und Gleichgültigkeit. Ich danke dir, dass du mich begleitest auf allen meinen Wegen. Ich will dir folgen. Schenke mir die Osterfreude. Schenke mir die Flügel, von denen bei Jesaja die Rede ist, und nimm alle Müdigkeit von mir. Nimm von mir, was mich hindert, dir zu folgen. Gib mir, was mich dir näher bringt und mir Glaubensfreude schenkt.

Segne mich und alle deine Menschen.

 

In der Stille sage ich dir, was mir ganz besonders wichtig ist:

[...] 

 

Und mit allen Christinnen und Christen beten wir gemeinsam:

Vater unser im Himmel…

  

Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, gebe dir seine Gnade:

Schutz und Schirm vor allem Argen,

Stärke und Hilfe zu allem Guten,

dass du bewahrt werdest im rechten Glauben.

Friede sei mit dir. Amen.

  

Pfarrerin Claudie Schlottke, Rothenburg St. Jakob + Detwang

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