Predigten und Gottesdienste aus dem Dekanat Rothenburg

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Judika - Gottesdienst mit Pfarrer Klaus Eberius (Pfarrei Diebach, Oestheim und Faulenberg)
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29.03.2020 (Judika) - Papierandacht von Pfarrer Klaus Eberius, Pfarrei Diebach, Oestheim und Faulenberg für die Menschen im Dekanat Rothenburg / Tauber

Eröffnung

Jeder für sich, zugleich alle miteinander

beginnen wir im Namen Gottes. 

Unser Leben ist in Gottes Hand;

mit uns ist Christus, unser Heiland;

wir sind gehalten durch den Heiligen Geist der Liebe. Amen

 

Psalm 57  - in der Version des Gesangbuchs (EG 761)

Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! / Denn auf dich traut meine Seele,

und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht,

bis das Unglück vorübergehe. / Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten,

zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt. / Er sende vom Himmel und helfe mir, / Gott sende seine Güte und Treue.

Verzehrende Flammen sind die Menschen / und ihre Zungen scharfe Schwerter. / Erhebe dich, Gott, über den Himmel

und deine Herrlichkeit über alle Welt!/ Sie haben meinen Schritten ein Netz gestellt / und meine Seele gebeugt;

sie haben vor mir eine Grube gegraben - / und fallen doch selbst hinein.

Mein Herz ist bereit, Gott, / mein Herz ist bereit, dass ich singe und lobe.

Wach auf, meine Seele, wach auf, Psalter und Harfe,

ich will das Morgenrot wecken!

Herr, ich will dir danken unter den Völkern, /  ich will dir lobsingen unter den Leuten. / Denn deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Erhebe dich, Gott, über den Himmel /und deine Herrlichkeit über alle Welt!

 

Passionskyrie EG 75.1

1. Ehre sei dir, Christe, der du littest Not, / an dem Stamm des Kreuzes für uns bittern Tod, / herrschest mit dem Vater in der Ewigkeit: hilf uns armen Sündern zu der Seligkeit. / Kyrie eleison, / Christe eleison, /Kyrie eleison.

 

Evangelium Johannes 18, 28 – 19,5  

"Sie führten Jesus von Kaiphas vor das Prätorium; es war aber früh am Morgen. Und sie gingen nicht hinein in das Prätorium, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passamahl essen könnten.

Da kam Pilatus zu ihnen heraus und sprach: Was für eine Klage bringt ihr vor gegen diesen Menschen?

Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Es ist uns nicht erlaubt, jemanden zu töten. So sollte das Wort Jesu erfüllt werden, das er gesagt hatte, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde.

Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und sprach zu ihm: Bist du der Juden König? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben dir's andere über mich gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von hier.

Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König?

Jesus antwortete: Du sagst es: Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.

Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. Ihr habt aber die Gewohnheit, dass ich euch einen zum Passafest losgebe; wollt ihr nun, dass ich euch den König der Juden losgebe? Da schrien sie wiederum: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber.  

Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln.

Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurgewand an und traten zu ihm und sprachen: Sei gegrüßt, König der Juden!, und schlugen ihm ins Gesicht. Und Pilatus ging wieder hinaus und sprach zu ihnen: Seht, ich führe ihn heraus zu euch, damit ihr erkennt, dass ich keine Schuld an ihm finde.

Da kam Jesus heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand.

Und Pilatus spricht zu ihnen: Sehet, welch ein Mensch!"

 

Wochenlied EG 97,1+2

1. Holz auf Jesu Schulter, / von der Welt verflucht, / ward zum Baum des Lebens / und bringt gute Frucht. / Kyrie eleison, / sieh, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, / lass uns auferstehn.

2. Wollen wir Gott bitten, / dass auf unsrer Fahrt/ Friede unsre Herzen

und die Welt bewahrt. / Kyrie eleison, / sieh, wohin wir gehn.

Ruf uns aus den Toten, / lass uns auferstehn.

 

Lesung = Predigttext Hebräer 13,12-14

"Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir."

 

[stilles Gebet um Gottes Geist zum Wort]

 

Liebe Gemeinde!

Mit Wucht haben uns die Ereignisse um den neuen Virus vor Augen geführt, dass nichts bleibt, wie es ist!

Gewohnheiten und Freiheiten werden eingeschränkt, Sicherheiten lösen sich wie in Rauch auf.

Alles ist anders als vor wenigen Tagen.

Es gibt auch Bleibendes - zugleich mit der bangen Frage: wie lange noch?

Morgens die Zeitung in der Rolle am Zaun.

Das Telefon und das Netz, um Kontakt zu halten mit den Lieben, mit der Arbeit, mit dem Leben draußen.

Dass Ärztinnen  und  Pfleger in den Krankenhäusern  noch helfen können und die Geschäfte noch liefern.

All das war gestern vielen noch keinen Gedanken wert, und heute wird von Balkonen geklatscht, in Radiosendungen gelobt und viel Hochachtung gezollt.

 

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Wenn dann diese besondere Zeit vorbei ist, möchte ich mich daran weiter erinnern, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind.

Und ich hoffe, da bin ich nicht allein: Müllmänner und Krankenschwestern, Lehrerinnen, Raumpfleger, Erzieherinnen und Pflegekräfte – sie alle sind „systemrelevant“ und an der Wertschöpfung ebenso beteiligt wie diejenigen, die in Werken und Betrieben produzieren, was andere haben möchten und für Geld kaufen.

Wie das wirtschaftlich geht, wissen wir noch nicht, aber wir können den Weg in so ein Zusammenleben suchen. Es wird sich noch vieles finden lassen.

 

Überhaupt: „finden“.  Wir finden auch viel in diesen Tagen. Neue Wege des Miteinanders auch auf Abstand.

Denken Sie nur daran, wie viele Möglichkeiten Lehrerinnen und  Lehrer sich ausgedacht haben, damit die Kindern weiter lernen können. Das hat das Schulleben schon jetzt verändert. Oder in den Kirchengemeinden.

Pfarrkonferenz im Internet – es ruckelt noch, aber es wird!

 

Wichtig ist, dass wir die richtigen Maßstäbe beibehalten. Viele setzen auf ein hermetisches Abriegeln von drinnen und draußen. Ob das hilft? Ich zweifle fest daran, so nahe der Impuls zur Abschottung unsrer „Natur“ ist.  

 

Der Hebräer berichtet aus einer Zeit, wo die Glaubensgemeinschaften sich getrennt haben. ‚Drinnen‘, das sind bei ihm diejenigen, die durch lange Übung und Opfer immer schon zu Gott gefunden hatten:  ‚Draußen‘, das sind die Menschen, die Gottes Gnade besonders nötig haben. In unseren Tagen heißt das: der Christus hat alle Trennung (=Sünde) überwunden- für Sie und mich und alle Menschen. Für uns ist Gott Mensch geworden; mehr noch, Gott ist geringer Mensch, leidender Mensch, verletzter Mensch, sterbender Mensch geworden, damit eben diesen Menschen Gottes Heil widerfährt.

 

Das ändert die Lage!

 

Für „die neue Stadt“, gibt der Hebräer den Rat (V. 16.): "Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott!"  Gilt das auch in Zeiten von Corona? Sehr wohl!

 

Ein letzter Gedanke, er findet sich in meiner persönlichen Situation ebenso wie in den folgenden Versen des Hebräerbriefes.

Der Brief schließt mit einem Gruß an Schwestern und Brüder, verbunden mit der Bitte (V.18) "Betet für uns!"  Damals wie heute sind Christen verbunden über räumliche Trennungen hinweg, die manchmal unüberwindlich sind. Wenn Reisen möglich gewesen wäre, wäre ich als Partnerschaftsbeauftragter des Dekanats Rothenburg an diesem Sonntag in Hai in Tansania. Dort wird heute - so es die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auch dort zulassen -  der neu bestimmte Dekan Biniel Mallyo in sein Amt eingeführt. Für ihn und die Menschen in Tansania möchte ich beten um Heil und Bewahrung, Für Sie und die Menschen in unserem Dekanat und in unserem Land möchte ich beten - um Gesundheit und Hoffnung. Für alle Menschen dieser Erde dürfen wir beten.

 

Vater unser   

 

EG 406 Bei dir, Jesu, will ich bleiben

1. Bei dir, Jesu, will ich bleiben, / stets in deinem Dienste stehn; / nichts soll mich von dir vertreiben, / will auf deinen Wegen gehn. / Du bist meines Lebens Leben, / meiner Seele Trieb und Kraft, / wie der Weinstock seinen Reben zuströmt Kraft und Lebenssaft.

3. Wo ist solch ein Herr zu finden, / der, was Jesus tat, mir tut: / mich erkauft von Tod und Sünden / mit dem eignen teuren Blut? / Sollt ich dem nicht angehören, / der sein Leben für mich gab, / sollt ich ihm nicht Treue schwören,

Treue bis in Tod und Grab? /

 

Abschluss mit Segensbitte

Gott, Schöpfer, Quelle und Ursprung des Lebens, segne mich und die Menschen, die du mir in meinem Leben ans Herz gebunden hast.

Christus, Heiland und Bruder, behüte uns und die Menschen überall

Gib Frieden, Gott, Heiliger Geist, in unseren Häusern, in unserer Stadt und in allen Ländern und Zeiten. Amen

 

Pfr. Klaus Eberius, Pfarrei Diebach, Oestheim und Faulenberg. 09868/372 oder Klaus.eberius@elkb.de – Sie können mich gern anrufen.

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