Predigten und Gottesdienste aus dem Dekanat Rothenburg

Download
Osterandacht mit Pfarrerin Andrea Rößler (Neusitz und Schweinsdorf)
Andacht Ostern für Homepage.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.1 MB

12.+13.4.2020 (Ostern) - Andacht von Pfarrerin Andrea Rößler (Neusitz und Schweinsdorf)

Eröffnung: 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. 

 

Gebet: 

Allmächtiger Gott, du hast deinen Sohn Jesus Christus zum Leben erweckt—und du willst uns allen das Leben schenken. Wecke in uns deine österliche Hoffnung. Überwinde unsere Zweifel, unsere Trauer, unsere Angst. Lass uns die Botschaft von deinem Sieg über den Tod in uns aufnehmen und daraus leben, Tag für Tag. Amen. 

 

Bibeltext: 

Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne auf-ging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber 

hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich. (Markus 16,1-8)

 

Gedanken zum Bibeltext: 

Frauen haben sich auf den Weg gemacht. Sie trauern.

Einen Menschen haben sie verloren, der zu ihrem Leben gehört hat.

Nun wollen sie den Leichnam salben, Jesus einen letzten Liebesdienst erweisen.

Noch ist der Verlust ganz frisch und schmerzt. Der alltägliche Rhythmus ist außer Kraft gesetzt.

Die Gefühle lassen sich noch nicht ordnen, die Gedanken nicht sammeln.

 

Wie ein Stein liegt es einem auf dem Herzen.

Kann jemand diesen Stein wegwälzen?

Kann das Leben irgendwann wieder schön, leicht  und unbeschwert sein?

Es ist kaum vorstellbar in diesem Augenblick.

 

Noch ist man gefangen im Alten, in der Vergangenheit.

Neues Leben kann noch nicht entstehen, auch wenn man sich danach sehnt, auch wenn man es sich wünscht.

Der Stein liegt auf dem Herzen, groß und schwer, unverrückbar.

Und doch dämmert es schon.

Die Morgenröte macht sich bemerkbar.

Einen ersten Schritt haben die Frauen gemacht, heraus aus dem Haus, hin zum Grab.

Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“ So fragen sie noch unterwegs.

Doch als sie ankommen, merken sie: Der Stein ist weg. 

Die Frauen sind verwirrt. Den toten Jesus haben sie gesucht. Doch sie finden ihn nicht.

Stattdessen ist da ein Jüngling in einem  weißen Gewand.

Er bestätigt, was sie schon sehen, und erklärt: „Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“ Die Frauen sind entsetzt—kein Wunder.

Sie wollten Jesus etwas Gutes tun, dem Verstorbenen in Gedanken nahe sein.

So ist es üblich, wenn man um einen lieben Menschen trauert.

So tut es einem gut in der ersten schweren Zeit. 

Nun aber erkennen die Frauen: Hier ist nichts so, wie sie es kennen.

Hier können sie Jesus nicht finden.

 

Sie verstehen die Welt nicht mehr.

Erst viel später begreifen sie: Jesus ist nicht die Vergangenheit.

Er wird ihnen wieder begegnen in Zukunft. 

Der Bote schickt die trauernden Frauen fort. Sie müssen sich wieder auf den Weg machen.

Zu den Jüngern sollen sie und ihnen sagen: „Jesus geht euch voraus nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen.“

Ob die Frauen wirklich aufgenommen haben, was das bedeutet, damals am Grab?

Wahrscheinlich sind sie eher im Schock losgegangen.

 

Doch sie haben das Grab zurückgelassen und sich neu auf den Weg gemacht.

Genau das ist für den Evangelisten Markus das Wichtige.

 

Zu Ostern gehört für ihn ein Aufbruch, ein Weggehen, ein Weitergehen.

An einem Grab kann man nur stehen und zurückschauen.

Doch Ostern sprengt diesen Horizont und ermöglicht einen neuen Blickwinkel und neue Wege.

 

Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden—und er will uns begegnen.

Er will in uns die Hoffnung wachsen lassen:

Der schwere Stein, der uns niederdrückt, er wird weggewälzt.

Angst und Verzweiflung haben nicht das letzte Wort.

Gräben werden überwindbar.

Wir dürfen leben aus der Hoffnung: Gott hat den Tod besiegt. Er schafft Leben und er schenkt Leben, sogar noch im Tod. 

 

Gebet: 

Du lebenschaffender Gott, du hast den Tod besiegt. Das Leben ist da. Und doch liegen noch Schatten des Todes auf unserer Welt. So bitten wir dich um Lebensmöglichkeiten für alle Menschen, um Essen, Wohnraum, Familie und Freunde, um Freiheit der Gedanken und des Weges, um Bildung und Arbeit, um Verständnis füreinander. Leben wird möglich durch Hoffnung. So bitten wir dich um Hoffnung für alle Menschen, für Kranke und Sterbende, für Einsame und Verängstigte, für Kinder und Alte,  für Traurige und Verzweifelte.  Lass uns Menschen sein, die das Leben fördern, die dem Leben zum Sieg verhelfen, so wie du es gewollt hast. Schenke allen Helfenden und Pflegenden Kraft und Hoffnung. Sei und bleibe bei uns. Amen. 

 

Vaterunser

 

Segen: 

Gottes Segen leuchte uns wie das Licht am Ostermorgen. Gottes Frieden begleite uns. Gottes Liebe beflügle uns. Gottes Freude rühre uns an. Christus ist auferstanden. Es segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen. 

 

Frohe Ostern wünscht Ihnen 

Pfarrerin Andrea Rößler

Kommentar schreiben

Kommentare: 0