Predigten und Gottesdienste aus dem Dekanat Rothenburg

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Misericordias Domini mit Pfarrer Johannes Raithel (Adelshofen)
2020 Hirtensonntag - Raithel.pdf
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26.04.2020 - Andacht von Pfarrer Johannes Raithel (Adelshofen)

Misericordias Domini = Hirtensonntag

 

Christus spricht:

„Ich bin der gute Hirte.

Meine Schafe hören meine Stimme,

und ich kenne sie und sie folgen mir;

und ich gebe ihnen das ewige Leben!“

(Joh 10,11a.27-28)

 

EG 445 Gott des Himmels und der Erden

 

Gebet:

Herr, Jesus Christus, du bist der gute Hirte.

Du sammelst uns und weist uns Richtung und Ziel.

Wir kommen zu dir, um dich nach dem rechten Weg zu fragen, um auf deine Stimme zu hören.

Gib uns Mut, unser Leben zuversichtlich zu leben, auch und gerade in dieser krisenhaften Zeit.

Du weißt, was wir zum Leben brauchen.

Hilf uns, Verantwortung zu übernehmen für uns und für die, die uns anvertraut sind.

Und gib uns die unverrückbare Hoffnung, dass der Weg, den du uns zeigst, letztlich zu dir führt. Amen.

 

Evangelium: Johannes 10, 11-16 – Der gute Hirte

 

EG 358 Es kennt der Herr die Seinen

 

Bibelwort 1. Petrus 2, 21-25:

"Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;

der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen."

 

Auslegung

Liebe Schwestern und Brüder,

misericordias domini“ – zu Deutsch: „Die Barmherzigkeit Gottes“ – so nennen wir diesen zweiten Sonntag nach dem Osterfest. Wir sprechen auch vom „Hirtensonntag“, weil das Bild vom „guten Hirten“ in unserer Bibel die Beziehung Gottes zu uns Menschen immer wieder beschreibt.

 

Jesus bezeichnet sich im Johannes-Evangelium selbst als den guten Hirten, der uns kennt und sogar sein Leben für uns lässt. Das haben wir in den letzten Wochen gefeiert: Die Passion – der Weg Jesu ins Leiden und in den Tod - führte in die Osterbotschaft von der Auferweckung Jesu. Jesus hat als Lamm Gottes die Sünden der Welt auf sich genommen und damit

alle Schuld bezahlt, die Trennung zu Gott überwunden, so dass wir leben und neu anfangen können.

 

Davon spricht auch das Predigtwort aus dem 1. Petrusbrief. Manches darin empfinde ich beim Lesen als belastend.

Etwa, dass wir in der Nachfolge Jesu in seine Fußstapfen Jesu treten sollen. Ich spüre, dass diese Fußspuren mir viel zu groß sind: keine Sünde haben, nichts Falsches sagen, Schmähungen ertragen, alles dulden und Gott alles anbefehlen.... Ich versuche es, aber so werde ich nie sein können. Ich weiß, dass Jesus für mich gelitten hat, und dass es auch in diesen Zeiten viele Menschen gibt, die sich für andere aufopfern. Auch dieser Gedanke bedrückt mich, obwohl ich mich doch so sehr nach Entlastung und Freiheit sehne – für mich und andere.

 

Die Osterbotschaft mag nicht so recht ankommen. Darum sehe ich noch einmal genauer hin und entdecke in diesen Zeilen des 1. Petrusbriefes viel Verheißungsvolles. Ich lese: „Heil werden... in Gerechtigkeit leben ...Umkehr zum Hirten und Bischof unserer Seelen.“

 

Das alles bedeutet Ostern. Mir wird noch einmal klarer, dass Gottes Weg zu uns, den er in Jesus Christus gegangen ist, sehr schwer war. Es kostete ihm seinen Sohn. Die Passionszeit rückt mir in die Erinnerung. Sie endete in der Auferstehung. Nur so bleibt Jesus der gute Hirte, der als „Bischof unserer Seelen“ uns versöhnt hat mit Gott und dem Leben.

 

Vor einigen Jahren hat mir ein Schäfer erzählt, dass Schafe ohne Hirten nicht leben könnten. Wenn er sie nachts nicht einpferchen würde, wenn tagsüber nicht die Hütehunde aufpassen würden oder wenn der Hirte selbst sie laufen lassen würde, dann würden sie sich verirren. Ein Schaf kann zwar über den nächsten Graben und über Steine springen, aber dass da drüben die Bundesstraße ist und was noch alles an Gefahr droht, dass weiß nur der Schäfer. Ohne ihn würden sie sich verlaufen, würden irrende Schafe werden.

 

Jesus hat diesem Weg in die Irre ein Ende gemacht dadurch, dass er die Sün-den ans Kreuz gebracht hat. „Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.“ lesen wir im ersten Petrusbrief. Das ist der Weg der Barmherzigkeit, den Gott zu uns gegangen ist.

 

Und das ist nun doch entlastend für mich: Ich muss das Heil, die Wende meines Lebens nicht selbst vollbringen. Nun kann ich in der Gerechtigkeit leben, obwohl ich weiß, dass die Fußstapfen Jesu zu groß für mich bleiben. Ich bin geheilt von aller Selbsterlösung und allen Selbstzweifeln.

 

Auch wenn das Bild vom Schäflein für viele Gläubige nicht mehr der Beziehung entspricht, die sie im Blick auf Gott empfinden, so bleibt es ein Bild für heil sein, Geborgenheit erfahren, mutig und gelassen den eigenen Weg gehen und: umkehren dürfen, zurück zum Hirten und „Bischof“ meines Lebens, der sich um mich und die ganze Herde sorgt und sie führt.

 

Im 23. Psalm ist diese Glaubenserfahrung ein für alle Mal festgehalten. Die vertrauten Worte „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ höre ich, wenn ich lese:

 

Gott sorgt für mich wie ein Hirte, niemals bin ich verlassen.

Er zeigt mir die Fülle des Lebens

und erlaubt es mir, ohne Hast zu leben.

Er stärkt meine Seele. Er zeigt mir den rechten Weg.

Auch in dunklen Zeiten habe ich keine Angst vor dem Letz-ten, denn Gott ist bei mir und beschützt mich.

Wenn ich zu ihm komme, empfängt er mich zärtlich

und nimmt mich überschwänglich auf.

Ich lebe im Vertrauen auf Gottes Güte

und setze meine Hoffnung auf ihn.

Gott sorgt für mich wie ein Hirte,

niemals bin ich verlassen. Amen.

 

EG 288 Nun jauchzt dem Herren, alle Welt

 

Gebet:

Jesus Christus, wir bitten dich:

Sei und bleibe du der Hirte und Bischof unserer Kirchen. Mache uns stark und mutig. Gib uns einen Glauben, der mit dir rechnet. Was kann uns Schlimmes passieren, wenn du mit auf dem Weg bist?

Sei und bleibe du der Hirte und Bischof unserer Welt. Lass deine Welt nicht fallen und gib sie nicht auf. Sie ist das Werk deiner Hände. Heile ihre Wunden. Gib ihr Zeit gesund zu werden. Schenke allen, die Verantwortung tragen, Phantasie und Kraft, um sie zu beschützen und um Wege aus der gegenwärtigen Krise zu finden.

Stärke du alle, die in dieser Zeit viel Kraft und Mut aufbringen, um anderen beizustehen in den Krankenhäusern und Pflegeheimen. Tröste die Einsamen. Lass sie spüren, dass du auch ihnen ein guter und naher Hirte bist, der sie kennt und liebt.

Gib deiner ganzen Schöpfung, was sie zum Leben braucht. Sei und bleibe du der Hirte und Bischof unserer Seelen. Führe uns durch die dunklen Täler zu neuem Licht. Amen.

 

Vaterunser

 

EG 157 Lass mich dein sein und bleiben

 

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse das Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe das Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

Pfarrer Johannes Raithel, Adelshofen

 

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